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    <title>Book Gazette</title>
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    <pubDate>Sat, 04 Mar 2023 18:15:18 +0100</pubDate>
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        <title>#13 Bälger, Dörfer und Städte</title>
        <description>Tabea Steiner ist Schriftstellerin und Literaturvermittlerin. Wir haben über ihren Debütroman Balg, den heute erscheinenden Zweitling Immer zwei und zwei, Erika Burkart, RAUF, Lesungsformate und vieles mehr gesprochen.</description>
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         Tabea Steiner ist Schriftstellerin und Literaturvermittlerin. Wir haben über ihren Debütroman Balg, den heute erscheinenden Zweitling Immer zwei und zwei, Erika Burkart, RAUF, Lesungsformate und vieles mehr gesprochen.
          <img src="/assets/articles/podcast/Quotes/21TabeaSteiner.jpg"></img>
           <p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tabea_Steiner">Tabea Steiner</a></p>

<p><a href="https://www.tabeasteiner.ch/">Tabea Steiner im Netz</a></p>

<p><a href="https://buecherlese.ch/modules/wbsShop/article.php?article_id=362&amp;location_id=79&amp;cat_id=22">Tabea Steiner: Balg</a></p>

<p><a href="https://buecherlese.ch/shops/418/22/79/edition-buecherlese/immer-zwei-und-zwei">Tabea Steiner: Immer zwei und zwei</a></p>

<p><a href="https://www.literaare.ch/">Literaare</a></p>

<p><a href="https://www.aprillen.ch/">Aprillen</a></p>

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        <pubDate>Fri, 10 Feb 2023 07:06:01 +0100</pubDate>
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        <title>#13 Bälger, Dörfer und Städte</title>
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         Tabea Steiner ist Schriftstellerin und Literaturvermittlerin. Wir haben über ihren Debütroman Balg, den heute erscheinenden Zweitling Immer zwei und zwei, Erika Burkart, RAUF, Lesungsformate und vieles mehr gesprochen.
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           <p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tabea_Steiner">Tabea Steiner</a></p>

<p><a href="https://www.tabeasteiner.ch/">Tabea Steiner im Netz</a></p>

<p><a href="https://buecherlese.ch/modules/wbsShop/article.php?article_id=362&amp;location_id=79&amp;cat_id=22">Tabea Steiner: Balg</a></p>

<p><a href="https://buecherlese.ch/shops/418/22/79/edition-buecherlese/immer-zwei-und-zwei">Tabea Steiner: Immer zwei und zwei</a></p>

<p><a href="https://www.literaare.ch/">Literaare</a></p>

<p><a href="https://www.aprillen.ch/">Aprillen</a></p>

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        <pubDate>Fri, 10 Feb 2023 07:06:01 +0100</pubDate>
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        <title>Die Urteile oder das Leben der Anderen</title>
        <description>Der Blick eines Aussenseiters. Er blickt, schaut, beobachtet, hört – und denkt. Aus diesem Blickwinkel erzählt Tarjei Vesaas von der Welt und von einem, der seinen Platz darin nicht so recht zu finden vermag.</description>
        <content>
         Der Blick eines Aussenseiters. Er blickt, schaut, beobachtet, hört – und denkt. Aus diesem Blickwinkel erzählt Tarjei Vesaas von der Welt und von einem, der seinen Platz darin nicht so recht zu finden vermag.
          <img src="/assets/articles/2021/WideVesaas.jpg"></img>
           <p>Man mag kaum glauben, dass dieser Roman erst 1957 entstanden ist, so aus der Zeit gefallen ist er. Es gibt zwar Autos, die fahren aber nur vorbei, die Menschen darin zählen nicht, sie wollen nicht reden oder teilhaben, sie wollen nur schnell von A nach B kommen. Ausgenommen von dieser Hektik sind Mattis und Hege. Die beigen Geschwister leben etwas abgelegen in einem einfachen Holzhäuschen neben einem Fichtenwald, vor dem Häuschen steht ein grosser See. Beide sind sie in ihren Vierzigern, Mattis arbeitet nicht und wird von Hege durchgefüttert. Er wird von allen nur als «Dussel» bezeichnet, die Leute sind froh, wenn er morgens nicht bei ihnen auftaucht und um Arbeit bittet. Hege hält die beiden mit Strickarbeiten über Wasser und kümmert sich um ihren Bruder, so wie es gerade möglich ist.</p>

<p>Vesaas erzählt die Geschichte dieser beiden Geschwister komplett aus Mattis’ Blickwinkel. Mattis weiss und merkt sehr wohl, was die Leute über ihn reden und denken. Die «Klugen» unter ihnen begegnen ihm ohne Vorurteil, sie lassen ihm seine Gedanken in der manchmal unpassenden Art, wie sie gerade herauskommen. Mattis kämpft nicht nur gegen die Aussenwelt, er kämpft auch innerlich gegen die Gedankenstrudel im Kopf, gegen die Vorwürfe, die er sich selbst (aber auch Hege) macht. Dass er doch endlich auch Geld nach Hause bringen soll. Mattis ist sehr wohl bewusst, welche Last er ist, kommt aber gegen die inneren Zwänge nicht an.</p>

<p class="comment-right"> Auch erschienen von Vesaas: <i>Das Eis-Schloss</i>, Guggolz Verlag (<a href="https://www.bookgazette.xyz/daseisschloss">Zur Besprechung</a>) und <a href="http://www.kleinheinrich.de/buchkunst/buecher_autoren/vesaas.html">drei Bände mit Gedichten und Prosa</a> im Kleinheinrich Verlag. Beide in der Übersetzung von Schmidt-Henkel. </p>

<p>Die Sprache im Roman erscheint schlicht, sie folgt dem Denken Mattis’. Aber bereits da spielt Vesaas mit seinen Leser*innen. Das Vokabular mag begrenzt und klar sein, die daraus resultierende Sprache ist es nicht, sie ahmt die Einfachheit nur nach. Im Grunde genommen ist es ein imitierendes Sprachspiel, welches der Roman treibt. Man glaubt der Schlichtheit wegen zwar, den Gedanken von Mattis zu folgen, wird aber arg getäuscht: In ihrer Schlichtheit kaschiert die Sprache die von ihr ausgehende poetische Wärme. Natürlich kann man diesen Gedankengang auch umdrehen: In der simulierten Schlichtheit glauben wir, Mattis ganz nahe zu sein, ihm beim Denken über die Schulter zu schauen und werden wieder, getäuscht. Diese genau gearbeiteten Sprache verlangt nach einer entsprechenden Übersetzungsleistung, was Hinrich Schmidt-Henkel wiederum zur Perfektion gelungen ist. Die Detailversessenheit und poetische Schärfe der Übersetzung zeigt sich am eindrücklichsten im Abgleich mit dem ebenfalls von Tarjei Vesaas verfassten und von Hinrich Schmidt-Henkel übersetzten Roman <em>Das Eis-Schloss</em>. Dort ist die Sprache zwar auch schon schlicht und direkt, sie ist aber viel verspielter und verschnörkelter. Hier, weil der Roman nur aus der Perspektive von Mattis erzählt wird, ginge das nicht, die Sprache muss direkter sein, dem Erleben von Mattis angepasst. Dass man diesen erzählerischen Kniff auch in der Übersetzung so gut – und so genau – verfolgen kann, liegt an einer, wie so oft bei Schmidt-Henkel, herausragenden Übersetzung.</p>

<p>Die Genauigkeit im Arbeiten zeigt sich bei Vesaas auch in seiner zärtlichen Hingabe zu den Figuren. Kein einziges Urteil wird im Roman von der Erzählstimme über Mattis gefällt, solche Urteile sind stets Urteile der anderen Figuren, die Mattis weder verstehen, noch sich die Mühe dazu wirklich machen wollen. Mattis darf zumindest für die Erzählstimme so sein, wie er ist. Und in diesem Wesen angelegt ist eine tiefe Verbindung zur Natur. Der Blitz, der sich bereits in den ersten Sätzen bemerkbar macht, hat prophetische Wirkung, der Wind sogar Entscheidungsgewalt. Die Vögel, die über das Haus von Hege und Mattis fliegen, sprechen zu Mattis und das Wasser und der See, zeigen Mattis in seinen glücklichsten und in seinen traurigsten Momenten. Am See verbinden sich die Schicksalsstränge, die von einem Ufer ans andere herangetragen werden.</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Mattis schaute, ob der Himmel jetzt am Abend klar und wolkenlos war. Ja, war er. Dann sagte er zu seiner Schwester Hege, um ihr eine Freude zu machen: <br /> &raquo;Du bist ja ein Blitz, du!&laquo;, sagte er zu ihr. <br /> Dass er dieses Wort in den Mund nahm, erschreckte ihn ein wenig, war aber ungefährlich, denn der Himmel war schön.</p>
    
      <p class="quote-author">

Tarjei Vesaas: Die Vögel, Beginn des Romans.
    
    </p>
</aside>

<p>Es ist schwer, diese Besprechung in normalen Worten und nicht in freudigen Ausrufen grosser Euphorie zu beenden. Am beeindruckendsten an <em>Die Vögel</em> ist die Komposition, die nahe an dem ist, was ich als vollkommen bezeichnen würde. Fast jede Zeile sitzt, jedes Motiv ist durchdacht, jedes gesprochene Wort trifft tief in die seelischen Zerwürfnisse der Figuren. Die ersten Sätze zeichnen bereits vor, was noch passieren wird, ohne diesen Anschein zu erwecken, so vorsichtig und genau gearbeitet sind sie.</p>

<p class="comment">
Tarjei Vesaas: Die Vögel, S. 103.
</p>

<div class="textquote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote textquote">Und die Augen sind zu.<br /> und die Flüsse fließen nicht mehr.</p>
    
</div>

<div class="info-box">
<div class="cover-image-post">
    
        <img src="/assets/articles/2021/CoverVesaas.png" alt="Die Vögel von Tarjei Vesaas" />
    
</div>

<div class="buch-wrapper">

<div class="buch-box">
    <p>Tarjei Vesaas: Die Vögel.</p>
    <p>Aus dem Norwegischen (Nynorsk) von Hinrich Schmidt-Henkel.</p>
    
    <p>Mit einem Nachwort von Judith Hermann.</p>
    
    
        <p>Originalveröffentlichung 1957.</p>
    
    
    
        <p>280 Seiten.</p>
    
    
    <p>Guggolz.</p>
    
    <a href="https://www.guggolz-verlag.de/die-voegel">Webseite zum Buch</a>
</div>


<div class="buchinfo-box">
<p> <b>Zum Buch: </b>bedruckter Einband (Karton)  farbiges Vorsatzpapier (blau)  Lesebändchen (blau)  fadengeheftet </p>
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 <div class="verlags-box3">
 <b>Weitere Bücher von Tarjei Vesaas</b>
 <ul>
	
 
 <li><a href="/daseisschloss">Kalte Schönheiten ─ Das Eis-Schloss von Tarjei Vesaas</a></li>
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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 <div class="verlags-box3">
 <b>Weitere Übersetzungen von Hinrich Schmidt-Henkel</b>
 <ul>
	
 
 <li><a href="/daseisschloss">Kalte Schönheiten ─ Das Eis-Schloss von Tarjei Vesaas</a></li>
 
 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 



 




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<div class="verlags-box">
<p> <b>Mehr über die Bücher des Guggolz Verlages:</b><br />Der noch junge (2014) <a href="http://guggolz-verlag.de/">Guggolz Verlag</a> stellt nur vier Bücher pro Jahr her. Diese Bücher sind allesamt Übersetzungen, entweder komplett neu übersetzt oder als Neuausgabe. Ganz im Sinne von Trüffelsuchenden werden hier vergessene Werke wieder sichtbar gemacht. Immer auch entsprechend kommentiert und um Nachworte versehen. Der Verlag erhielt 2017 den Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung.

<p> Verleger Sebastian Guggolz war zu Gast im BookGazette Podcast. Nachzuhören hier: <script class="podigee-podcast-player" src="https://cdn.podigee.com/podcast-player/javascripts/podigee-podcast-player.js" data-configuration="https://bookgazette.podigee.io/s1e12-guggolz/embed?context=external"></script></p>

</p>



<a href="https://www.bookgazette.xyz/unabhaengigeverlage/#Guggolz">Alle Bücher des Guggolz Verlages </a>

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</div>
<p><br /></p>

<div class="byline-div">
 <p class="byline-p">
 We are a tribe of goats. <br />Thanks for reading us.</p></div>


        </content>
        <pubDate>Tue, 08 Mar 2022 07:03:01 +0100</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/dievoegel</link>
        <guid isPermaLink="true">https://www.bookgazette.xyz/dievoegel</guid>
        
        
        <category>Rezension</category>
        
        <category>Lyrik</category>
        
      </item>
    
      <item>
        <title>Gelassen atmet der Tag</title>
        <description>Rose Ausländer hat über vieles geschrieben, im Spätwerk aber auch über die prägendsten Erlebnisse ihres Lebens, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg. In einer neu erschienen, illustrierten Biografie wird ihr Leben in Stationen nacherzählt.</description>
        <content>
         Rose Ausländer hat über vieles geschrieben, im Spätwerk aber auch über die prägendsten Erlebnisse ihres Lebens, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg. In einer neu erschienen, illustrierten Biografie wird ihr Leben in Stationen nacherzählt.
          <img src="/assets/articles/2022/WideAuslaender.jpg"></img>
           <p>Den ersten Gedichtband, den ich mir gekauft habe, versammelt Gedichte von Rose Ausländer (1901-1988) aus all ihren Schaffensphasen. Das war ein Glücksgriff, weil ihre Gedichte die einzigen aus dem Schulunterricht waren, die in mir etwas ausgelöst hatten und es vermochten, mehr zu übertragen als simple Reime und Reimschemata oder langweilige Versmasse (oder den pubertären Witz über den Titel von Friedrich Hebbels berühmtem Gedicht). Bis heute ist Ausländer eine meiner liebsten Lyrikerinnen geblieben und obwohl mir immer bewusst war, dass ihre Gedichte natürlich stark von ihrer Biografie geprägt sind, wusste ich über diese erstaunlich wenig. Das vorliegende Buch von Oxana Matiychuk schien mir also ein hervorragender Ausgangspunkt, um diesen Misstand zu beheben.</p>

<p class="comment"> Mit der Zuweisung als Graphic Novel bin ich nicht ganz einverstanden. Denn erzählt wird hier eigentlich nur im Text, die grafische Ebene ist, anders als bei einer Graphic Novel, nicht erzählend eingebunden, sondern rein dekorativ. Viel eher trifft es hier die klassische Bezeichnung: illustriertes Buch. </p>

<p>In einfachen Kürzestsätzen erzählt Matiychuk in der Folge das Leben von der als Rosalie Scherzer geborenen Lyrikerin, deckt dabei alle wichtigen Stationen ab; von der ersten Heirat, zur baldigen Liebe zu einem anderen Mann, zum ersten Gedichtband, von der Migration nach Amerika und der Rückkehr nach Czernowitz, vom Leben im jüdischen Getto ebenda, vom Verlust der deutschen Sprache als Schreibsprache und von der erst spät erfolgten Wiederaneignung dieser, von den 25 Jahren zwischen dem ersten und dem zweiten Gedichtband und von diesem unglaublich ausuferndem Spätwerk, von dieser allein aufs Schaffen konzentrierten späten Lebensphase. All das erzählt Matiychuk lebhaft und verknappt, begleitet von den raffinierten Illustrationen von Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko. Die beiden orientieren sich an einem zwölfteiligen Raster (3×4), in dem sie ihre Illustrationen anordnen und mit denen die freien Zeichnungen eingefangen werden und in einen interessanten Kontrast gestellt erscheinen. Grundsätzlich ein schönes Buch, das knapp und präzise vom Leben dieser so bedeutenden Lyrikerin erzählt.</p>

<p><!-- _includes/image.html --></p>
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        <img src="/assets/articles/2022/WideAuslaender1.jpg" alt="Innenansicht von Rose Ausländers Leben im Wort." />
    
    
</div>

<section class="poem-wrapper-wrapper">
<div class="poem-wrapper">
  <div class="poem">

<b>Krokodiltränen</b><br />Ich salze meine Suppe mit Krokodiltränen. Das Krokodil, ein Geburtstagsgeschenk, liegt in der Küche und weint, weil ich nicht koche, was es gern frißt: Menschen. Ich füttere es mit Literatur. Es verschlingt alles, was ich ihm vorlese, bis auf Gedichte. Lyrik findet es unverdaulich.
    
    </div>
</div>
</section>
<div class="poem-comment">

Rose Ausländer: Gedichte, S. 247.
  
  </div>

<p>Etwas schwierig aber, macht es mir der Ton des Bandes, der von der Flughöhe nahe an dem eines Kinderbuches ist, in der Wortwahl, Bedeutung und auch von den Themen her dann aber oftmals Kinder und Jugendliche überfordern würde. Dadurch steckt das Buch auch in einem etwas seltsamen Konflikt, will es doch eine komplexe, tragische  Lebensgeschichte erzählen, tut dies aber in einem stellenweise unpassend wirkenden Ton. Ohne Kenntnis des Originals lässt sich bei so wenig Text nicht beurteilen, ob das auch ein Übersetzungsproblem ist, ich vermute aber stark, dass dieser eigentümliche Ton bereits im Original angelegt war und von Kati Brunner mit ähnlicher Wirkung ins Deutsche übertragen wurde.</p>

<p class="comment">
Oxana Matiychuk: Rose Ausländers Leben im Wort, erster Satz.
</p>

<div class="textquote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote textquote">Rose Ausländers Leben erscheint wie eine unglaubliche Geschichte. So viel hat sie durchgemacht!</p>
    
</div>

<p>So bleibt ein ästhetisch illustriertes Buch in merkwürdigem Ton, in dem das Leben einer der wichtigsten und (für mich) einer der eindrücklichsten Dichterinnen deutscher Sprache nacherzählt wird und deren Gedichte jedesmal, wenn ich sie wieder zur Hand nehme, viel auslösen und tiefgreifende Wirkung erlassen. Wer sich am Kinderbuchton nicht stört, findet hier einen guten Einstieg in die Biografie von Rose Ausländer.</p>

<div class="info-box">
<div class="cover-image-post">
    
        <img src="/assets/articles/2021/CoverAuslaender.jpg" alt="Rose Ausländers Leben im Wort von Oxana Matiychuk" />
    
</div>

<div class="buch-wrapper">

<div class="buch-box">
    <p>Oxana Matiychuk: Rose Ausländers Leben im Wort.</p>
    <p>Aus dem Ukrainischen von Kati Brunner.</p>
    
    <p>Illustrationen von Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko.</p>
    
    
        <p>Originalveröffentlichung 2019.</p>
    
    
    
        <p>56 Seiten.</p>
    
    
    <p>danubebooks.</p>
    
    <a href="https://www.danube-books.eu/oxana-matiychuk-rose-auslaenders-leben-im-wort">Webseite zum Buch</a>
</div>


<div class="buchinfo-box">
<p> <b>Zum Buch: </b>bedruckter Einband (Karton)  bedrucktes Vorsatzpapier (Grafik)  fadengeheftet </p>
    </div>


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<div class="verlags-box">
<p> <b>Mehr über die Bücher von danubebooks:</b><br />Der 2015 in Ulm gegründete Verlag <a href="http://www.danube-books.eu/">danubebooks</a> hat sich zum Ziel gesetzt, ein grenzenloser Verlag zu sein. Im Sachbuch- und Belletristikprogramm des Verlages spiegeln sich deshalb die Vielfalt der Sprachen, Ethnien und Kulturen der Donauländer.

</p>



</div>
</div>
<p><br /></p>

<div class="byline-div">
 <p class="byline-p">
 We are a consortium of crabs. <br />Thanks for reading us.</p></div>


        </content>
        <pubDate>Wed, 02 Feb 2022 07:03:01 +0100</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/roseauslaenderslebenimwort</link>
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        <category>Rezension</category>
        
        <category>Lyrik</category>
        
      </item>
    
      <item>
        <title>Ich kann alles was ich dir sagen möchte gar nicht schreiben</title>
        <description>Ein unbekannter, in der Schweiz lebender Mann, schreibt einem ungemein bekannteren Mann einen Brief. Der bekannte Mann antwortet mit einem netten Brief und einem Buch von sich selbst. Bald wird sich die Anrede verändern vom sehr geehrten, zum lieben Herr, zum Du. Eine Freundschaft wird entstehen, die für die nächsten 23 Jahre und bis zum Tod einer der Männer andauern wird.</description>
        <content>
         Ein unbekannter, in der Schweiz lebender Mann, schreibt einem ungemein bekannteren Mann einen Brief. Der bekannte Mann antwortet mit einem netten Brief und einem Buch von sich selbst. Bald wird sich die Anrede verändern vom sehr geehrten, zum lieben Herr, zum Du. Eine Freundschaft wird entstehen, die für die nächsten 23 Jahre und bis zum Tod einer der Männer andauern wird.
          <img src="/assets/articles/2021/WideBrambach.jpg"></img>
           <p>Als Rainer Brambach im Januar 1950 den ersten Brief an Günter Eich verfasst, kann dessen Empfänger noch nicht abschätzen, was aus diesem Schriftstück erwachsen wird. Er wird es vier Jahre lang noch nicht tun, erst dann wird auch Eich beginnen, die Briefe Brambachs aufzubewahren. Und so zeugt der hier auf über 500 Seiten wiedergegebene Briefwechsel auch davon in welcher Stellung sich die beiden begegnet sind: Eich war bereits ein bekannter Schriftsteller, der  von der Literatur leben konnte, während Brambach an seinen ersten Gedichten sass und seine Brötchen als Gärtner verdienen musste. Diese Ungleichheit zwischen den beiden wird über die Jahrzehnte ihrer Freundschaft nie ganz verschwinden. Eich wird immer die Rolle des Mentors anhaften, die er, als er im dritten Brief im April zum ersten Mal um ein paar Gedichte von Brambach bittet, einnimmt. Eich wird immer der erfolgreichere, weit gereistere der beiden sein, während Rainer Brambach zeitlebens mit jedem erdenklichen Mittel über die Runden kommen muss, um auch noch ein wenig schreiben zu können.</p>

<p>Auch die Zeit hat daran wenig verändert, im Gegenteil, Eich blieb und bleibt als Mitglied der Gruppe 47 und als Mann von Ilse Aichinger einigermassen im Bewusstsein der Öffentlichkeit, während Rainer Brambach heute kaum mehr bekannt ist. Umso faszinierender ist deswegen dieser Briefwechsel, da es einerseits der längste erhaltene Briefwechsel Günter Eichs ist, andererseits aber auch die Rollenverteilung zwischen den beiden immer klar war. So kann man im Fall von Rainer Brambach einem Lyriker beim Wachsen zusehen; der beeindruckenden Entwicklung von ersten Gehversuchen zu den geschliffenen späteren Gedichten hin.</p>

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  <div class="poem">

Dein Vermögen Ulea<br />schlafen zu können<br />vor Mitternacht<br />und mein Unvermögen<br />schlafen zu können<br />vor Mitternacht –<br />Oben die Venus<br />der Große Wagen<br />Mars und Mond<br />und während ein lauer Wind<br />die Gardine bauscht<br />die Uhr tickt<br />das Herz schlägt<br />sitzt einer Ulea am Tisch<br />und sucht nach einem Schluß<br />der ihn sanft in das Bett bringt.
    
    </div>
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</section>
<div class="poem-comment">

Rainer Brambach: Gesammelte Gedichte, S. 126. Diogenes, 192 Seiten.
  
  </div>

<p>Der von Roland Berbig herausgegebene Briefwechsel ist eine editorische Grosstat. Das sowohl haptisch wie auch typografisch hervorragend gemachte und gestaltete Buch, muss sich vor dem Inhalt in keinster Weise verstecken. Fein säuberlich sind die 296 noch erhaltenen Stücke aufgelistet und mit gehaltvollen, wenn auch stellenweise repetitiven Kommentaren versehen worden. Ergänzt sind die Briefe mit diversen Typoskripten (hauptsächlich Gedichte und Prosastücke von Brambach), Fotografien und den genau datierten physischen Treffen der beiden. So wird nicht nur der briefliche Austausch der beiden erfahrbar, sondern auch, soweit das heute noch möglich ist, ihre Freundschaft und die damit verbundene gegenseitige Wertschätzung fürs Werk des jeweils anderen.</p>

<p>Brambach hat sich die Anmerkungen von Eich fast immer zu Herzen genommen. Die veröffentlichten Gedichte Brambachs bestehen fast immer aus den an Eich gesandten Rohfassungen, ergänzt um dessen Anmerkungen. Gerade dieser nur selten zu beobachtende Austausch über frühe Fassungen von Gedichten und deren Weiterentwicklung ist ungemein vereinnahmend, da er sich in diesem Buch ausgezeichnet nachvollziehen lässt. Als liebste Anekdote aus diesem Prozess ist mir aber ein verlegerisches Schmankerl geblieben: Die Veröffentlichung eines Gedichtbandes von Eich hatte sich über ein halbes Jahr verzögert, weil sein Verleger Siegfried Unseld mit der Typografie der Fahnen unzufrieden war. Da der Zeilenabstand nicht passte, hat er ihn manuell angepasst und den Druck neu anfertigen lassen. So etwas stelle man sich heute nur vor! Für einen Gedichtband!</p>

<!-- _includes/image.html -->
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        <img src="/assets/articles/2021/WideBrambach1.jpg" alt="Die gesammelten Gedichte von Günter Eich und Rainer Brambach." />
    
    
</div>

<p>Nachvollziehen lassen sich auch die Phasen der Freundschaft zwischen Brambach und Eich. Dass diese über ihre 23-jährige Dauer nicht immer gleich intensiv war, lässt sich vermuten, ist aber doch bemerkenswert, wenn es direkt beobachtet werden kann. Gerade in den 50er-Jahren war die Frequenz der Briefe äusserst hoch und es gab auch viele Treffen, was im darauffolgenden Jahrzehnt merklich abnahm. Eich war neu verheiratet (Brambach auch, bei dem ist es aber eine längere Geschichte) und Aichinger und er waren finanziell gut gestellt, konnten oft herumreisen, während der mittlerweile auch publizierte Brambach weiterhin mit Gärtnerjobs seinen Unterhalt bestreiten musste. Eine gewisse Frustration aufgrund dessen kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Und spätestens Ende der 60er, anfangs der 70er wurden die Briefe sehr sporadisch und Jahre vergingen ohne Treffen (was auch am Gesundheitszustand Eichs lag).</p>

<p>Und so endet dieser Briefwechsel auf die gleiche Art und Weise wie auch das Leben endet: Vieles bleibt ungesagt. Weil dafür die Zeit, der Raum oder die Worte gefehlt haben. Wie im Leben auch, mag das unversöhnlich wirken, ja fast grausam, wenn am Ende ein ungeschickter Brief in Rainer Brambachs Nachlass auftaucht, den er wenige Tage vor Günter Eichs Tod verfasst hat. Aber, ob dieser Brief nun gesendet worden wäre oder nicht, er ändert nichts an der tiefen Freundschaft zwischen diesen beiden Männern und ihren Familien, am Aufeinandertreffen dieser beiden Dichter, die sich durch gegenseitige Zuneigung sowohl in Leben wie auch Werk gegenseitig beflügelt und bestärkt haben. Denn dieser Briefwechsel, so literarisch und historisch interessant er auch sein mag, bleibt im Kern doch nur eines; das Zeugnis einer grossen Freundschaft. Und so soll auch diese Besprechung, die im Titel den ersten Satz dieses letzten Briefes trägt, mit dem Rest des Briefes enden, der ja spätestens mit der Veröffentlichung des Briefwechsels entsendet wurde:</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Aber dass ich über Monate hindurch, da wir uns nicht sahen immer liebend an dich dachte, möchte ich mit den wenigen Zeilen einfach sagen.<br /> Dein alter Rainer.</p>
    
      <p class="quote-author">

Rainer Brambach an Günter Eich. Basel, 15. Dezember 1972, S. 511.
    
    </p>
</aside>

<div class="info-box">
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        <img src="/assets/articles/2021/CoverBrambach.jpg" alt="Briefwechsel Cover" />
    
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<div class="buch-box">
    <p>Rainer Brambach, Günter Eich: &laquo;Nichts und niemand kann dich ersetzen.&raquo;. Der Briefwechsel.</p>
    <p>Herausgegeben von Roland Berbig.</p>
    
    <p>544 Seiten.</p>
    
    
    
    
    
    <p>Nimbus.</p>
    
    <a href="https://www.nimbusbooks.ch/buch/«nichts-und-niemand-kann-dich-ersetzen»">Webseite zum Buch</a>
</div>


<div class="buchinfo-box">
<p> <b>Zum Buch: </b>bedruckter Einband (Halbleinen)  Lesebändchen (grau)  farbiges Vorsatzpapier (schwarz)  fadengeheftet </p>
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<p> <b>Mehr über die Bücher des Nimbus Verlags:</b><br />Beim <a href="http://www.nimbusbooks.ch/">Nimbus Verlag</a> in Wädenswil treffen seit 1996 Kunst- und Fotobücher auf ausgewählte belletristische Titel.

</p>



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<p><br /></p>

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 <p class="byline-p">
 We are a dray of squirrels. <br />Thanks for reading us.</p></div>


        </content>
        <pubDate>Sat, 13 Nov 2021 08:03:01 +0100</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/brambacheichbriefwechsel</link>
        <guid isPermaLink="true">https://www.bookgazette.xyz/brambacheichbriefwechsel</guid>
        
        
        <category>Rezension</category>
        
        <category>Lyrik</category>
        
      </item>
    
      <item>
        <title>Distanzen, betrachtet durch schlechte Brillen</title>
        <description>Dem Werk von Adelheid Duvanel zu begegnen ist gar nicht so einfach.</description>
        <content>
         Dem Werk von Adelheid Duvanel zu begegnen ist gar nicht so einfach.
          <img src="/assets/articles/2021/WideDuvanel.jpg"></img>
           <p>Die gesammelten Erzählungen von Duvanel, die im Frühjahr im Limmat Verlag erschienen sind, wurden mittlerweile viel gepriesen (ich untertreibe). Wie kann man (oder hier jetzt ich) diesem Werk begegnen, ohne in Superlative zu verfallen? Fest steht jedenfalls, dass mit besagter Limmat Ausgabe die definitive Ausgabe von Duvanels Werk erschienen ist. Seit 1980 hat Duvanel im (damals noch unabhängigen) Luchterhand Verlag sieben Erzählbände veröffentlicht, die hier gesammelt vorliegen. Ergänzt werden diese durch alle veröffentlichten und auffindbaren Geschichten der Autorin, die nicht in den Luchterhand-Bänden Aufnahme fanden. Umrahmt werden die Erzählungen schlussendlich von einem Nachwort von Elsbeth Dangel-Pelloquin und einem Essay von Friederike Kretzen. Einzig die unveröffentlichten Erzählungen von Duvanel fehlen, dem Schweizer Urheberrecht sei Dank.</p>

<p>Man könnte ja jetzt ob der nicht ganz 800 Seiten vermuten, dass Duvanels Gesamtwerk überschaubar sei. Ein Irrtum, der sich bei der Lektüre schnell auflösen wird. Selten braucht sie mehr als drei Seiten für eine Erzählung, meist sind es sogar nur deren zwei. Das liegt aber nicht an mangelndem Erzählwillen oder Einfallsreichtum, sondern an dessen Gegenteil. In ungeahnter prosaischer Dicke entwirft die Autorin oft mehr als man es von einer Erzählung vermutet, schafft schon fast ein eigenes Genre, dasjenige der Duvanel-Erzählung. Meist treiben die Figuren die Geschichten an, fast nie der eigentliche Plot. Duvanel skizziert in höchster Konzentration Leben, erzählt in verknappender Sprache und mit vollendeter Beobachtungsgabe. Als topologisches Alleinstellungsmerkmal stellt sich schnell die leichte Übernatürlichkeit der Erzählungen heraus, die den verschrobenen Figuren Raum zur Entfaltung geben (wenn sie jetzt nicht genau wissen, was das heissen soll: geht mir auch so und am besten erfährt man dies direkt beim Lesen).</p>

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        <img src="/assets/articles/2021/LongDuvanel.jpg" alt="Dragman von Steven Appleby." />
    
</div>

<p>Duvanels Figuren stehen oft am Abgrund, sind verzweifelt, hadern mit den Leben und dessen Realitäten. Die Lieben sind unglücklich, die Ehen sowieso, die Mütter mögen ihre Söhne nicht und umgekehrt. Duvanel zeichnet aber nicht emotional aufgeladene düstere Verliese in ihren Geschichten, sondern bedient sich immer wieder feinem Humor, bricht mit Ironie und durch Verharmlosung die eigentlich aussichtslosen Zustände der Figuren:</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Das Schultor öffnete sich, die Klassen sprangen wie bunte Ketten heraus, kollerten über die beiden breiten Treppen und trollten über den geteerten Hof, als wären die Schnüre gerissen, an denen die Perlen aufgereiht waren.</p>
    
      <p class="quote-author">

Erster Satz der Erzählung &laquo;Die Seifenblase&raquo;.
    
    </p>
</aside>

<p>Selbst ein Bild wie das oben zitierte einer bunten Schulklasse, wird von Duvanel bereits mit einem Bruch, hier mit einem wortwörtlichen Riss, versehen, die Perlen sind gerissen, das Chaos breitet sich aus. Ohne es jetzt mit der Analyse übertreiben zu wollen – das Herauslesen psychologischer Traumata überlassen wir anderen – wird hier trotzdem ein fröhliches Bild aufgeweicht respektive verdunkelt. Und genau so behandelt Duvanel auch ihre Figuren. Gnadenlos werden sie von ihrer Autorin in ihren Schwächen, Eigenheiten und Idiosynkrasien entstellt und müssen als komische Käuze und Aussenseiter den erzählerischen Blick aushalten. Dieser Blick ist zwar gnadenlos, aber, anders als man es auch hier vermuten könnte, selbst wieder Teil einer Brechung: Duvanel nutzt Ironie und Absurdität, um die Lebensumstände umzudeuten oder zumindest in ihrer Schlagkraft etwas zu entkräften:</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Einmal fragte jemand: &laquo;Wolltest du deinem Leben ein Ende setzen?&raquo; Sie antwortete: &laquo;Es war keine Depression, es war eine Euphorie&raquo;.</p>
    
      <p class="quote-author">

Aus der Erzählung &laquo;Verena&raquo;, S. 347.
    
    </p>
</aside>

<p>Die Begegnung mit Duvanels Schreiben kennt nur eine logische Konsequenz: Ungehemmte Begeisterung für eine Autorin, die man eigentlich immer dann nennen sollte, wenn andere Frisch, Walser, Dürrenmatt, Ramuz oder Keller sagen wollen, denn, Duvanel gehört ohne Umschweife zum Grössten, was die Schweiz literarisch zu bieten hat oder je geboten hat. Und siehe da, nun bin auch ich in den gleichen Tritt verfallen, wie viele Rezensent*innen vor mir – heillose Begeisterung. Deshalb sei an dieser Stelle der Schwenk gemacht zur Literaturzeitschrift Das Narr, die ihre <a href="https://dasnarr.ch/shop/narr-33/">dreiunddreissigste Ausgabe</a> Adelheid Duvanel gewidmet hat. Darin verarbeiten Schreibende ihre eigenen Lektüren, ihr Aufeinandertreffen mit Duvanels Schreiben. Und, ob sie das nun nach der Lektüre dieser Rezension oder nach der Lektüre des Narrs #33 merken, zwei Dinge wage ich zu prophezeien: Erstens, sie werden Adelheid Duvanel irgendwann lesen wollen (oder es dann irgendwann bereuen). Zweitens, sie werden in den gleichen Modus verfallen wie ich und wie alle anderen zuvor, die mit ihren Texten in Berührung gekommen sind. Versprochen.</p>

<div class="info-box">
<div class="cover-image-post">
    
        <img src="/assets/articles/2021/CoverDuvanel.jpg" alt="Fern von hier von Adelheid Duvanel" />
    
</div>

<div class="buch-wrapper">

<div class="buch-box">
    <p>Adelheid Duvanel: Fern von hier. Sämtliche Erzählungen.</p>
    <p>Herausgegeben von Elsbeth Dangel-Pelloquin.</p>
    
    <p>Mit einem Nachwort von Elsbeth Dangel-Pelloquin.</p>
    
    
        <p>Unter Mitwirkung von Friederike Kretzen.</p>
    
    
        <p>Mit einem Essay von Friederike Kretzen.</p>
    
    
        <p>792 Seiten.</p>
    
    
    <p>Limmat.</p>
    
    <a href="https://www.limmatverlag.ch/programm/titel/894-fern-von-hier.html">Webseite zum Buch</a>
</div>


<div class="buchinfo-box">
<p> <b>Zum Buch: </b>bedruckter Einband (Leinen)  farbiges Vorsatzpapier (lachs)  Lesebändchen (grau)  fadengeheftet </p>
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<p> <b>Mehr über die Bücher des Limmat Verlags:</b><br />Seit 1975 erscheint im <a href="https://www.limmatverlag.ch/">Limmat Verlag</a> Sachliches, Literarisches, Lyrisches, Spannendes, Fotografisches und Übersetztes. Der Verlag hat sein Zuhause in Zürich.

</p>



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<p><br /></p>

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 <p class="byline-p">
 We are a troop of kangaroos. <br />Thanks for reading us.</p></div>


        </content>
        <pubDate>Sun, 07 Nov 2021 08:03:01 +0100</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/fernvonhier</link>
        <guid isPermaLink="true">https://www.bookgazette.xyz/fernvonhier</guid>
        
        
        <category>Rezension</category>
        
        <category>Lyrik</category>
        
      </item>
    
      <item>
        <title>Vom Rebellentum in Trippelschritten</title>
        <description>Eine Kindheit und Jugend im Libanon erzählt von einem &amp;laquo;wildem Mädchen&amp;raquo;. In ihrer autobiografischen Erzählung blickt Chaza Charafeddine auf ein Leben zwischen Wahlheimaten und dem Ort ihrer Geburt und Kindheit zurück.</description>
        <content>
         Eine Kindheit und Jugend im Libanon erzählt von einem &laquo;wildem Mädchen&raquo;. In ihrer autobiografischen Erzählung blickt Chaza Charafeddine auf ein Leben zwischen Wahlheimaten und dem Ort ihrer Geburt und Kindheit zurück.
          <img src="/assets/articles/2021/WideCharafeddine.jpg"></img>
           <p>Es braucht wenig, damit ein Mädchen als rebellisch und wild gilt. Das Rebellentum erwächst nicht aus absonderlichen Taten, schon einfache Verstösse reichen dazu aus. Und am einfachsten wird das Rebellentum, wenn jeder Schritt, jeder Gedanke dazu führen kann. Chaza Charafeddine ist im Libanon aufgewachsen, einem Ort des Dazwischen. Zwischen den Religionen. Zwischen den Fronten. Zwischen unterschiedlichen Traditionen und Lebensvorstellungen. Rebellentum gehörte da, gerade als Frau, immer auch schon irgendwie dazu.</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Unser Umzug zu den Großeltern war mir ein Fest, denn je mehr Erziehungsberechtigte es gab, desto weniger wurde man überwacht. In Beirut herschte Krieg, aber in Tyros spürten wir nichts davon, außer dass es manchmal kein Benzin gab, noch öfter keinen Strom und auch kein fließendes Wasser.</p>
    
      <p class="quote-author">

Chaza Charafeddine: Beirut für wilde Mädchen, Teil 1, S. 61.
    
    </p>
</aside>

<p>Charafeddine erzählt von diesem Leben und von diesem Dazwischen auf eine erstaunlich nonchalante Art, die aber genau ihrem damaligen, kindlichen Blick entspricht. Widersprüche tauchen in dieser Sicht auf die Welt noch nicht auf: Dass bestimmte Zimmer im Elternhaus nicht mehr bewohnt werden können, weil Bomben eingeschlagen sind oder bald einschlagen könnten, ist für die Erzählerin kein Grund zur Beunruhigung, sondern schlicht Tatsache in dieser erzählten Welt.</p>

<p>«Beirut für wilde Mädchen» besteht aus zwei Teilen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind. Der erste Teil, der zuerst auf Arabisch erschien und von Günther Orth etwas trocken übersetzt wurde, ist komplett aus kindlicher Perspektive erzählt. Der zweite Teil hingegen, wurde von der Autorin extra für diesen Band auf Deutsch verfasst und erzählt mit einem sehr viel erwachseneren Blick über die innere Zerrissenheit von Charafeddine, die zwischenzeitlich zwar in der Schweiz oder in Deutschland lebt, aber von ihrer Heimat Libanon nicht richtig loskommt. Wollte man Tropen bedienen, es wären die berühmten zwei Herzen, die in einer Brust schlagen.</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Zur Enttäuschung aller bin ich als zweites von insgesamt drei Mädchen, die hintereinander gekommen sind, geboren.</p>
    
      <p class="quote-author">

Chaza Charafeddine: Beirut für wilde Mädchen, Teil 2, S. 112.
    
    </p>
</aside>

<p>Der zweite Teil ist nicht nur sprachlich interessant, weil er das Deutsch der Autorin, mit dem übersetzten Deutsch von ihr kontrastiert, sondern weil er den Blick noch schärfer auf die im Titel angespielte Rolle der Frau in der libanesischen Gesellschaft richtet. Und mit der erwachsenen Sicht noch viel schärfer auf dieses Dazwischen und die kindliche Naivität zeigen kann. Chaza Charafeddines Buch jetzt aber als feministisches oder rebellisches Plädoyer zu lesen, tut dem Band unrecht, weil er dadurch unnötigerweise reduziert wird. Es ist vielmehr die gelungene Einvernahme der kindlichen Perspektive und der damit einhergehenden Verschiebung der Tatsachen und Ereignisse, im Kontrast zur späteren, reflektieren Sichtweise, die den Reiz des Bandes ausmachen.</p>

<div class="info-box">
<div class="cover-image-post">
    
        <img src="/assets/articles/2021/CoverCharafeddine.jpg" alt="Beirut für wilde Mädchen von Chaza Charafeddine" />
    
</div>

<div class="buch-wrapper">

<div class="buch-box">
    <p>Chaza Charafeddine: Beirut für wilde Mädchen.</p>
    <p>Aus dem Arabischen von Günther Orth.</p>
    
    <p>Mit einem Nachwort von Stefan Weidner.</p>
    
    
        <p>Erster Teil Arabisch, zweiter Teil Deutsch.</p>
    
    
        <p>Originalveröffentlichung erster Teil 2012.</p>
    
    
        <p>158 Seiten.</p>
    
    
    <p>Edition Converso.</p>
    
    <a href="https://www.edition-converso.com/bücher/beirut-für-wilde-mädchen.html">Webseite zum Buch</a>
</div>


<div class="buchinfo-box">
<p> <b>Zum Buch: </b>Klappenbroschur  bedrucktes Vorsatzpapier (Grafik)  Klebebindung </p>
    </div>


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</p>



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<p><br /></p>

<div class="byline-div">
 <p class="byline-p">
 We are a gang of elk. <br />Thanks for reading us.</p></div>


        </content>
        <pubDate>Tue, 02 Nov 2021 07:03:01 +0100</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/beirutfuerwildemaedchen</link>
        <guid isPermaLink="true">https://www.bookgazette.xyz/beirutfuerwildemaedchen</guid>
        
        
        <category>Rezension</category>
        
        <category>Lyrik</category>
        
      </item>
    
      <item>
        <title>Die Schallwellen des Urteils</title>
        <description>Gerhard Gentzen isst nicht, was bedauerlich ist. Ausgehend von Gentzens Gefangenschaft, entspannt Dietmar Dath in seinem neuesten Roman ein Kalkül an Sammlungen und Verwebungen, die sich zu einem aufgeräumten Ganzen formieren (eine Lüge).</description>
        <content>
         Gerhard Gentzen isst nicht, was bedauerlich ist. Ausgehend von Gentzens Gefangenschaft, entspannt Dietmar Dath in seinem neuesten Roman ein Kalkül an Sammlungen und Verwebungen, die sich zu einem aufgeräumten Ganzen formieren (eine Lüge).
          <img src="/assets/articles/2021/WideDath.jpg"></img>
           <p>Gentzen hatten wir schon, der isst weiterhin nicht. Es wird nicht lange dauern und er wird sterben. Edsger W. Dijkstra wird als Schutzpatron vorkommen, Lady Gaga als Konversationspartnerin Gentzens, Dietmar Dath als Journalist. Und als Autor, der den Band über Gerhard Gentzen, den er schon lange schreiben will, gerade schreibt, oder zu schreiben versucht. Cordula Späth wird durch die Nacht tanzen, Rima Abadi wird an der Brezeltheke stehen, Constance Griffith wird die Menschen über Algorithmen unterrichten und Frank Schirrmacher wird sterben. Und die anderen 40 zentralen Figuren haben wir jetzt noch unterschlagen.</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">An einem viel zu ungenauen Dienstag oder Mittwoch, an einem Tag, der sein Datum nicht kennt oder sich nicht merken kann, keinen Monat kennt, keine Ziffer außer gerade mal diejenige, die das Jahr bezeichnet, 1926 nämlich, fällt Gerhard Gentzen mitten im mathematischen Unterricht aus der Situation und in seinen eigenen Kopf wie in einen Brunnen, der keinen Boden hat.</p>
    
      <p class="quote-author">

Dietmar Dath: Gentzen oder: Betrunken aufräumen, S. 126.
    
    </p>
</aside>

<p>Dietmar Daths neuester Roman hat wenig mit der klassischen Form seiner Gattung gemein. Erwartungshaltungen sind von vornherein fehl am Platz, jede einzelne wird enttäuscht, übertroffen, entkräftet werden, weil sich der Roman schon alleine durch seine Form dem allen entzieht. Vermengt werden Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart. Textformen wechseln sich ab, von der Science Fiction bis zum Zeitungsartikel hat alles seinen Platz. Das macht das Lesen vordergründig sicherlich nicht einfach. Aber soll es das?</p>

<p>Auf dem Cover steht denn auch, dass man es hier mit einem «Kalkülroman» zu tun habe. Klingt gut. Aber was bedeutet das? Kurzes Googeln. «Als der oder das Kalkül versteht man in den formalen Wissenschaften wie Logik und Mathematik ein formales System von Regeln, mit denen sich aus gegebenen Aussagen (Axiomen) weitere Aussagen ableiten lassen«, weiss Wikipedia. Nehmen wir diese Bezeichnung einmal beim Wort. Ein Kalkülroman müsste dementsprechend Axiome bilden, also Aussagen machen, aus denen sich weitere Aussagen logisch (also deduktiv) ableiten lassen. Macht das nicht jeder Roman, der eine Geschichte erzählt? Aus dem ersten Treffen lässt sich der erste Kuss, Sex, Streit, Beziehung, Verlust, Mord ableiten. Aber gerade diese Stringenz der Handlung fehlt in «Gentzen oder: Betrunken aufräumen«.</p>

<p>Die verschiedenen Stränge der Geschichte haben vorerst wenig miteinander zu tun und werden bis zum Schluss nie komplett zusammengeführt, sind somit höchstens durch Indizien zueinander in Bezug zu setzen (also induktiv, nicht deduktiv). Formal können die Axiome auch nicht sein, die Sprache ist weder formalisiert, noch eindeutig. Dath erzählt – wie immer – mit unbändiger Erzählwut, wechselt vom Hundertsten ins Tausendste, von 1926 zu 2035, über die Jahrhunderte hinweg, in seiner unverwechselbaren, verschnörkelt-geradlinigen Sprache. Trotzdem verliert man nie den Überblick, und vielleicht findet sich genau darin die formale Strenge, nach der ein Kalkül eigentlich verlangt. Fast jedes Kapitel wird mit einer Jahrzahl eingeführt und einer kurzen Bemerkung über das Datum, das Wetter oder andere Nebensächlichkeiten. Stets bleibt dadurch der Überblick (sofern es den geben kann) gewahrt.</p>

<p>Das mag die Axiome erklären, aber noch nicht die weiteren Aussagen, die aus ihnen folgen sollten. Aber da hilft die Handlung wieder auf die Sprünge, Gentzen, der zumindest titelgebend ist, stirbt. Das wird bereits mit dem ersten Satz («Er isst nicht genug.») klar, konsequenterweise kann auf dieses Verhalten nur der Tod folgen. Die Kausalverknüpfungen lassen sich an dieser Handlung weiterspinnen. Axiom folgt auf Axiom. Vielleicht gibt es also keine Axiome, sondern nur ein Axiom, aus dem im Kalkül alle weiteren folgen müssen. Oder vielleicht ist das auch alles nur Quatsch und Gentzen ist gestorben und Dietmar Dath rätselt in Romanform ebenso über diesen Umstand, wie wir es als Lesende des Romans tun.</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Dann sagt sie [Lady Gaga]: &raquo;Also, du musst wissen, gehört es zu den Schnurpsels oder zu den Wurpsels? Nein, guck nicht so, diese Namen gibt es nicht, das sind nur so Beispielwörter, die habe ich mir ausgedacht, wie du immer mit deinen Variablen arbeitest, mit n oder z oder x oder y oder so.&laquo;<br /><br />Er [Gerhard Gentzen] versteht: &raquo;Aha, ganz recht. Und mehr, ich muss nicht nur sagen können ... also, das Bewertungsmuster für die Kultursachen, für die Kunstwerke, das ist, als Bildung, nicht nur ein Zuordnen, sondern es sind dann auch Sätze herzustellen, die wiederum beweisbar sein müssen, sonst interessiert es micht nicht, wenn es nur, wie sagt man ... &laquo;</p>
    
      <p class="quote-author">

Dietmar Dath: Gentzen oder: Betrunken aufräumen, S. 395.
    
    </p>
</aside>

<p>Wenn Sie mich nächste Woche an der Frankfurter Buchmesse fragen werden, worum es jetzt in diesem Roman also gehe, ich werde ihnen schulterzuckend antworten müssen. Um alles, um Nichts, um das Leben. Um einen deutschen Logiker und Mathematiker, um die Axiome, die zur Erfassung der Realität notwendig sind. Um Dietmar Dath. Um die FAZ. Um Schmetterlinge in der Zukunft. Um hungrige Menschen in Gefangenschaft, um autofahrende Freunde. Kurzum: Weder kann, noch will ich ihnen diese Frage beantworten. Ich würde vielleicht so antworten: «Dietmar Dath hat den formell aufregendsten Roman dieses (und vieler weiterer) Herbstes geschrieben. Eine Aufregung, ein Zauber, der sich nur beim eigenen Lesen erfahren lässt. Meine Nacherzählung dieser ist genauso fehlerbehaftet, wie die Ableitung des im Roman aufgezogenen Kalküls: Das Kalkül als Ganzes lässt sich nur erfahren, wenn man jedem der 140 Axiome Bedenken schenkt. Lohnen tut sich dies aufjedenfall.» Sie werden mich verwirrt anschauen, ich werde die Schultern noch einmal zucken, ihnen eine quadratische Visitenkarte in die Hand drücken, wohlwissend, dass sie sich nicht bei mir melden werden, und weiter durch die Hallen schlendern. Dort werde ich am Stand des Verbrechers Verlags vorbeikommen, Dietmar Dath sehen, der dort seinen wiederaufgelegten Debütroman vorstellt, ihn ganz frech duzen und ihn fragen: «Du, worum geht es in deinem Roman eigentlich?« Wobei, wenn wir die in dieser Besprechung angelegten Axiome befolgen, werde ich dies nicht tun, weil ich die Antwort für mich selbst längst kenne: Darauf kommt es bei guter Literatur nie an.</p>

<div class="info-box">
<div class="cover-image-post">
    
        <img src="/assets/articles/2021/CoverDath.jpg" alt="Cover Gentzen oder: Betrunken aufräumen" />
    
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<div class="buch-wrapper">

<div class="buch-box">
    <p>Dietmar Dath: Gentzen oder: Betrunken aufräumen. Kalkülroman</p>
    <p>608 Seiten.</p>
    
    
    
    
    
    <p>Matthes &amp; Seitz.</p>
    
    <a href="https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/gentzen-oder-betrunken-aufraeumen.html">Webseite zum Buch</a>
</div>


<div class="buchinfo-box">
<p> <b>Zum Buch: </b>bedruckter Schutzumschlag  farbiger Einband (Karton, scharz)  Lesebändchen (schwarz)  Klebebindung </p>
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<div class="verlags-box">
<p> <b>Mehr über die Bücher von Matthes &amp; Seitz:</b><br />1977 erstmals und 2004 dann neu gegründet, verlegt <a href="https://www.matthes-seitz-berlin.de/">Matthes &amp; Seitz</a> aus Berlin pro Jahr um die 80 Bücher. Schwerpunktmässig in den Bereichen Sachbuch und Literatur.

</p>



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<p><br /></p>

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 We are a cauldron of bats. <br />Thanks for reading us.</p></div>


        </content>
        <pubDate>Sun, 17 Oct 2021 09:03:01 +0200</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/gentzenoderbetrunkenaufraeumen</link>
        <guid isPermaLink="true">https://www.bookgazette.xyz/gentzenoderbetrunkenaufraeumen</guid>
        
        
        <category>Rezension</category>
        
        <category>Lyrik</category>
        
      </item>
    
      <item>
        <title>Alternder Akademiker findet die Kunst am eigenen Leben</title>
        <description>Du wirst zu Oluf Sattler. Professor für irgendwas. Wichtiger ist weniger die Ausrichtung deiner Disziplin, als der Dünkel des Grossintellektuellen, mit dem du dich umgibst. Gleich auf den ersten paar Seiten sagst du etwas Pseudo-schlaues zu einem Gemälde von Vermeer. Nur wegen des Geldes, um den Geldhahn offenzuhalten, bist du jetzt hier und sprichst an diesem Kongress über das Institut und die Forschung der letzten Jahre.</description>
        <content>
         Du wirst zu Oluf Sattler. Professor für irgendwas. Wichtiger ist weniger die Ausrichtung deiner Disziplin, als der Dünkel des Grossintellektuellen, mit dem du dich umgibst. Gleich auf den ersten paar Seiten sagst du etwas Pseudo-schlaues zu einem Gemälde von Vermeer. Nur wegen des Geldes, um den Geldhahn offenzuhalten, bist du jetzt hier und sprichst an diesem Kongress über das Institut und die Forschung der letzten Jahre.
          <img src="/assets/articles/2021/WideEcker.jpg"></img>
           <aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Überholspur, Autobahn, helllichter Tag.</p>
    
      <p class="quote-author">

Christopher Ecker: Herr Oluf in Hunsum, S. 5.
    
    </p>
</aside>

<p>Gleich mit einem Ausrufezeichen und einem Vorwurf setzt der neueste Roman von Christopher Ecker ein. Den Vorwurf, nicht fahren zu sollen, macht sich Oluf Sattler selbst, Frau und Kind sind krank und trotzdem fährt er weg. Sein Kopf steckt auf der Überholspur fest, Frau und Kind sind längst tot, sind wütend, enttäuscht oder gleichgültig, alles scheint gerade möglich, als er rasant über die Autobahn nach Norddeutschland braust. Auf dem Weg zu diesem dummen Kongress. Dort wird er sich blamieren, mit Unkenntnis ausweisen, weil er die neueste Lingo nicht mehr draufhat. Auf dem Rückweg wird er noch berauschter werden, den Rausch auch tatsächlich erleben, einen Mord bezeugen (als Fluchtfahrer?) und danach wieder heimkehren müssen in die Ungewissheit, die er am helllichten Tag auf der Überholspur der Autobahn zurückgelassen hat.</p>

<p>«Herr Oluf in Hunsum» verliert in keiner Sekunde an Tempo, der einmal geöffnete Slipstream des Professor Sattler lässt sich nicht mehr schliessen. Wer einmal zu Oluf Sattler geworden ist, kommt davon nicht mehr los. In Du-Form erzählt, erleben wir Sattler als von sich selbst entfremdeten Menschen, der in der Überintellektualisierung seines Alltags nach Struktur oder Sinnstiftendem zu suchen scheint. Die Suche gestaltet sich indes schwierig, denn erlösendes in Sattlers Alltag gibt es wenig. Der Geist rast immer und immer nur mit einer Geschwindigkeit: Vollgas (das trotz seiner geistigen Grösse nicht immer nur schlaues bei rauskommt, verheimlichen wir dem Professor lieber).</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Es ist der Alltag, der uns erlöst.</p>
    
      <p class="quote-author">

Christopher Ecker: Herr Oluf in Hunsum, S. 53.
    
    </p>
</aside>

<p>Spannend ist indessen aber nicht, wie Ecker diesen konstanten erzählerischen Sog aufrechterhält, dass er dies kann, hat er längst zur Genüge bewiesen, sondern mit welchen Mitteln er die Erzählung bestreitet. Der Leseeindruck ist eigentlich ein trüber, tragischer. Sattler hat die klassischen Anzeichen einer Mid-Life-Crisis, fühlt sich (und ist) vom Leben und seiner Profession zu Teilen abgehängt oder eben – entfremdet. Die Zuhausgebliebenen sind nicht nur räumlich und durch Krankheit von ihm separiert, sondern auch in seinem Denken und Erleben. Der Roman ist aber kein (ausschliesslicher) Abgesang auf Sattler und dessen Neugestaltung des eigenen Lebens, er ist genauso durchtränkt von Witz und Ironie.</p>

<p>Zum einen macht sich der Roman furchtbar lustig über die postmoderne Philosophie, die sich durch eine eigene Wissenschaftssprache, natürlich standesgemäss von einem Franzosen entwickelt, auszeichnet. Anleihen an etwaige, tatsächlich existierende Strömungen der Philosophie sind natürlich rein zufällig. Zum anderen wird Protagonist Sattler von uns als Lesende und durch die Perspektive der zweiten Person auch von der Erzählinstanz, nicht ernstgenommen, weil er mindestens ebenso erbärmlich, wie intellektuell brillant ist. Dazwischen ist es aber feiner Humor, der sich abzeichne. Dieser thematisiert zwar den Akademie-Dünkel, tut dies aber fein Ziselierend (ja, das muss genau so gesagt werden).</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Es ist der Alltag, der uns zerstört.</p>
    
      <p class="quote-author">

Christopher Ecker: Herr Oluf in Hunsum, S. 85.
    
    </p>
</aside>

<p>Der Roman zieht einen Grossteil der von ihm ausgehenden Faszination nicht aus der erzählerischen Dringlichkeit, sondern aus seiner Grundstimmung, die seiner sprachlichen und erzählerischen Extravaganz entgegenläuft. Ecker erzählt stilistisch sehr gekonnt, verliert aber nie die Erzählung, und den damit aufgeworfenen Sog aus dem Blick. Herr Oluf war zwar mal in Hunsum, was er aber da getroffen hat, und wie er wieder aus Hunsum zurückgekommen ist, es ist ein Rätsel, dem der Alltag nicht gewachsen ist. Es ist nicht so einfach, ihm zu entfliehen. Dem Alltag.</p>

<div class="info-box">
<div class="cover-image-post">
    
        <img src="/assets/articles/2021/CoverEcker.jpg" alt="Herr Oluf in Hunsum von Christopher Ecker" />
    
</div>

<div class="buch-wrapper">

<div class="buch-box">
    <p>Christopher Ecker: Herr Oluf in Hunsum.</p>
    <p>232 Seiten.</p>
    
    
    
    
    
    <p>Mitteldeutscher Verlag.</p>
    
    <a href="https://www.mitteldeutscherverlag.de/literatur/alle-titel-literatur/ecker,-christopher-herr-oluf-in-hunsum-detail">Webseite zum Buch</a>
</div>


<div class="buchinfo-box">
<p> <b>Zum Buch: </b>bedruckter Einband (Karton)  farbiges Vorsatzpapier (schwarz)  Lesebändchen (scharz)  fadengeheftet </p>
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 <div class="verlags-box3">
 <b>Weitere Bücher von Christopher Ecker</b>
 <ul>
	
 
 <li><a href="/anderehaefen">Andere Häfen von Christopher Ecker </a></li>
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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<p> <b>Mehr über die Bücher des Mitteldeutschen Verlages:</b><br />Der 1946 gegründete <a href="https://mitteldeutscherverlag.de">Mitteldeutsche Verlag</a> mit Sitz in Halle, verlegt Belletristik, Sach-, Reise- und Kunstbücher.

</p>



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<p><br /></p>

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 <p class="byline-p">
 We are a drift of pigs. <br />Thanks for reading us.</p></div>


        </content>
        <pubDate>Fri, 08 Oct 2021 09:03:01 +0200</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/herrolufinhunsum</link>
        <guid isPermaLink="true">https://www.bookgazette.xyz/herrolufinhunsum</guid>
        
        
        <category>Rezension</category>
        
        <category>Lyrik</category>
        
      </item>
    
      <item>
        <title>Liebe und Berge</title>
        <description>Ein Berg ist ein Berg. Und wenn er wankt, dann gewaltig. Von nichts anderem als dieser Urgewalt erzählt Charles Ferdinand Ramuz in seinem konzentrierten Roman über einen Bergsturz.</description>
        <content>
         Ein Berg ist ein Berg. Und wenn er wankt, dann gewaltig. Von nichts anderem als dieser Urgewalt erzählt Charles Ferdinand Ramuz in seinem konzentrierten Roman über einen Bergsturz.
          <img src="/assets/articles/2021/WideRamuz.jpg"></img>
           <p>Schriftsteller, die auf Banknoten verewigt wurden, gibt es nicht viele (den Fakt, dass ich davon bis vor ein paar Sekunden gar nichts wusste, verschweigen wir hier jetzt lieber). Aber Charles Ferdinand Ramuz ist einer dieser wenigen. Die damit verbundene Ehre lässt natürlich vermuten, welchen Stellenwert sein Werk zumindest zum Zeitpunkt der Notengestaltung genossen hat. Und ja, jede Begegnung mit seinen Werken bestätigt mir wieder, warum ihm diese Ehre zuteilwurde. Einerseits natürlich, weil er ein grosser Schriftsteller mit grossen Werken war, andererseits aber auch, weil er in seinem Erzählen dem Schweizerischen verbunden geblieben ist. Nicht anders ist das im neu aufgelegten Roman «Derborence».</p>

<p>Es ist Sommer, die Männer aus dem Dorf sind alle auf der Alp und hüten dort das Vieh und stellen Käse her. Zu diesen Männern gehört auch der frisch verheiratete Antoine, der zusammen mit dem alten Séraphin in einer Hütte haust, die direkt in den Berg gehauen wurde. Die Alp hat einen sanften Namen, Derborence. Ein Name, der so gar nicht passen will zu diesem Berg, der den Teufel bereits im Namen trägt: Diablerets. Kein Wunder, stürzt der Berg ein, direkt auf die Männer, direkt auf Derborence. Machtlos muss Antoines Frau Thérése den Bergsturz im Tal miterleben. Ganze zwei Monate wird sie trauern, bis ein Geist im Dorf auftaucht, einer, der Antoine furchtbar ähnlich sieht.</p>

<aside class="wide-quote-wrapper">
    
        <p class="wide-quote">Derborence, das Wort klingt sanft; sanft und etwas traurig klingt es in uns nach. Es beginnt mit einem festen und bestimmten Laut, dann zögert es und sinkt, noch während man es klingen lässt, ins Leere: Derborence; als wollte es so auf den Untergang, auf die Einsamkeit und das Vergessen deuten.</p>
    
      <p class="quote-author">

C. F. Ramuz: Derborence, S. 19.
    
    </p>
</aside>

<p>Ramuz erzählt in «Derborence» so, wie er immer erzählt: so verdichtet und konzentriert, als ob es nichts anderes auf der Welt mehr gäbe, als seine Figuren und seine Erzählgegenstände. Sprachlich vielleicht etwas zerfahrener, etwas weniger poetisch, als in seinen allerbesten Werken, aber immer in einer schlicht anmutenden Sprache mit grosser, poetischer Wirkung. Die Motive klingen bereits in den ersten Sätzen an, die Figuren sind wortkarg, gezeichnet vom Leben in den Bergen. Im Kern ist der Roman urschweizerisch, weil er, zumindest im Gefühl, noch heute genau so passieren könnte, genau so niedergeschrieben werden würde. Nur hat die Prosa von Ramuz ganz andere Frische, als diejenige von gewissen zeitgenössischen Autoren, die jedes Jahr ein neues Buch über die Schweizer Berge verfassen.</p>

<p>Seit ein paar Jahren erscheinen die Übersetzungen aus der Gesamtausgabe von Ramuz’ Werk, welche 1972 im Zürcher <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ammann_Verlag">Ammann Verlag</a> erschien, im Limmat Verlag. Vor «Derborence» etwa «<a href="https://www.bookgazette.xyz/aline">Aline</a>» in der Übersetzung von Yvonne und Herbert Meier. Auch die Derborence-Übersetzung von Hanno Helbling stammt aus dieser Gesamtausgabe. Helbling war ein hervorragender Übersetzer, keine Frage, es zu betonen erscheint mir genauso müssig, wie die literarische Qualität von Ramuz hervorzuheben. Aber, stellenweise merkt man, dass diese Übersetzung nicht mehr ganz taufrisch ist, dass seit der zugrundeliegenden Lektüre ein halbes Jahrhundert vergangen ist. Ramuz’ Stoffe bieten sich diesem Verfahren an, er hat zeitlos erzählt, tief verwurzelt in der Tradition, trotzdem bleibt die Distanz spürbar.</p>

<p>Wenn wir also zurückdenken an die Schweizer 200er Noten und die schwindende Bedeutung dieser oder salopp gesagt: deren Bedeutungslosigkeit, da sie mittlerweile durch eine neue, eine ohne Ramuz, abgelöst wurde, dann würde ich mir für das Werk von C. F. Ramuz wünschen, dass bald neue Übersetzungen seiner Werke erscheinen (hat da jemand Hinrich Schmidt-Henkel oder Frank Heibert gesagt?). Die Übersetzungen der Gesamtausgabe sind gut gealtert, aber einem Autor seiner Grösse würden neue Übersetzungen sehr gut zustehen (auch die 2020 im <a href="http://www.arco-verlag.com/buecher/titel/116-die-schoenheit-auf-der-erde.html">Arco Verlag erschienene Neuausgabe von «Die Schönheit auf der Erde«</a> stammt aus der Feder von Hanno Helbling). Er und sein Werk hätten es mehr als verdient. In der Zwischenzeit sind die wunderschönen, kompakten Leinenausgaben aus dem Limmat Verlag aber gute Überbrückungsangebote.</p>

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        <img src="/assets/articles/2021/CoverRamuz.jpg" alt="Cover Derborence" />
    
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<div class="buch-wrapper">

<div class="buch-box">
    <p>Charles Ferdinand Ramuz: Derborence.</p>
    <p>Aus dem Französischen von Hanno Helbling.</p>
    
    <p>200 Seiten.</p>
    
    
    
    
    
    <p>Limmat.</p>
    
    <a href="https://www.limmatverlag.ch/programm/titel/329-derborence.html">Webseite zum Buch</a>
</div>


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<p> <b>Zum Buch: </b>bedruckter Einband (Leinen)  farbiges Vorsatzpapier (mint)  Klebebindung </p>
    </div>


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 <div class="verlags-box3">
 <b>Weitere Bücher von Charles Ferdinand Ramuz</b>
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 <li><a href="/aline">Die Ungerechtigkeit der Welt ─ Aline von Charles Ferdinand Ramuz</a></li>
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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<div class="verlags-box">
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</p>



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        </content>
        <pubDate>Thu, 30 Sep 2021 09:03:01 +0200</pubDate>
        <link>https://www.bookgazette.xyz/derborence</link>
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        <category>Rezension</category>
        
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