Mir wurde vom Verlag ein elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Das Ministerium der Gärten und Teiche spielt im Japan des 12. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Miyuki, einer jungen Frau, die kürzlich zur Wittwe geworden ist. Ihr verstorbener Mann Katsuro war ein begabter Karpfenfischer. Er war so begabt, dass er sogar die heiligen Teiche der Kaiserstadt Heian-Kyo belieferte. Trotz seinem Ableben, werden in der Kaiserstadt weiterhin Karpfen benötigt und so macht sich Miyuki auf, den letzten Fang ihres Mannes in der Kaiserstadt abzuliefern.

Die junge Miyuki bildet dem Roman nicht nur die Protagonistin, sie bleibt auch Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte. Gemeinsam mit ihr begibt sich der Leser auf eine Reise, die sowohl im Äusseren, also tatsächlich stattfindet, aber auch im Inneren der Protagonistin voranschreitet. Wir erleben eine von Trauer geschüttelte Miyuki, die ihren Ehemann stark vermisst und der nur die Karpfen ihres Mannes geblieben sind.

Was mir als Erstes aufgefallen ist, ist Decoins Stil. Die ganze Erzählung ist sehr distanziert. Wir erleben zwar das Innerste von Miyuki mit, aber trotzdem bleibt immer eine gewisse Distanz. Es ist so etwas wie ein Höflichkeitsabstand, der Erzähler bleibt stets diese höflichen zwei Schritte von ihr entfernt. Mit dieser Distanz einhergehend ist aber auch eine wahnsinnige Zartheit. Dieser höflich distanzierte Erzähler erzählt zart, um nicht schon zu sagen zärtlich, von Miyuki und ihrer Reise. Diese Wahl des Stils hat mich absolut begeistert, die Protagonistin wird hier wirklich wahnsinnig fein gezeichnet und in dieser höflichen Distanziertheit, ist wahnsinnig viel Wärme und Affektion gebündelt. Selten hat mich ein Roman mit seinem Blick auf seine Hauptfigur so gefesselt, wie dies hier gelingt.

Passieren tut eigentlich nicht viel, das Motiv ist jenes der klassischen Reiseliteratur. Miyuki macht sich auf den Weg, um von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Ihre Reise ist geprägt von den äusseren Einflüssen die auf ihr Innerstes einwirken und in denen auch viel Trauerarbeit steckt. So begegnet sie nicht nur sich selbst, sondern auch immer wieder den Erinnerungen ihres Mannes. Gebunden bleibt sie an diesen Mann, äusserlich gezeichnet durch seine zuletzt gefangenen Karpfen, die sie sich nun wortwörtlich auf ihren Schultern zum Ziel der Reise tragen muss. So bleibt auch das Leben und Wirken ihres Mannes als ständige Last auf ihren Schultern behaftet. Miyuki empfindet dies aber nicht wirklich als Last, sondern als Möglichkeit ihrem Mann immer wieder zu begegnen, gerade auch weil sie den gleichen Weg wie er beschreitet.

Die einzigen Kritikpunkte die auffallend sind, sind, dass sich der Roman stellenweise etwas verliert und sein eigentliches Ziel vergisst, nämlich immer dann, wenn er sich von Miyuki wegbegibt und andere Figuren betrachtet. Und auch den paar wenigen Sexszenen ist zu bemängeln, dass sie klare Männerfantasie sind und aber auch komplett unnötig, sie tragen zu der Geschichte nichts bei.

Das Ministerium der Gärten und Teiche ist ein faszinierender Roman. So überzeugt nicht nur der Blickwinkel des Erzählers auf die Protagonistin, sondern auch das ganze Setting des Japans des 12. Jahrhunderts. Strotzend vor Atmosphäre, taucht man hier in eine fremde Kultur ein. Das dies auch in der deutschen Übersetzung gelingt, ist zu grossen Teilen auch Verdienst der tollen Übersetzung aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn. Eine ganz klare Leseempfehlung meinerseits.


Website des Verlages zum Buch

Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn

Originaltitel: Le bureau des jardins et des étangs

gebunden mit Schutzumschlag, E-book

348 Seiten

Klett-Cotta