Nino Haratischwili kannte ich bisher nicht und ich muss zugestehen, ich bin wahnsinnig froh, diese Autorin nun entdeckt zu haben. Die Katze und der General hat mich auf voller Linie überzeugt. Der Roman spielt einerseits in Berlin 2016 und handelt von einem russischen Oligarchen, der eine junge Schauspielerin entdeckt, die einer Frau aus seiner Vergangenheit verblüffend ähnlich sieht. Andererseits spielt der Roman meist auch in der Vergangenheit. Zusammen mit dem kürzlichen Selbstmord seiner Tochter nimmt der allseits nur General genannte Oligarch das Auftauchen dieser jungen Schauspielerin als Anlass, vergangenes Unrecht aus seiner Zeit beim Militär mit einer eigens einberufenen Vendetta anzugehen.

Als erstes fasziniert hat mich die wunderbar poetische Sprache, bereits im Prolog tauchen da Sätze auf die einem überraschen mit Sprachwitz, Poesie und auch immer wieder, sehr gelungenen Beobachtungen.

"Sie war Linkshänderin und hatte immer gesagt, es liege daran, dass die linke Hand nun mal näher am Herzen sei und sie nichts machen könne, was nicht in direkter Verbindung mit ihrem Herzen stehe."

Diese Verspieltheit in der Sprache zieht sich durch das ganze Buch und trotzdem bleibt die Sprache rauschend klar und auf den Punkt.

Des Weiteren haben mich die Figuren vollends überzeugt. Es sprüht nur so von Leben in den Zeilen. Sei dies die Ehefrau die an ihren Träumen und Wünschen zugrunde geht oder die Mutter, die ihre Wünsche durch ihren Sohn zu erfüllen sucht oder auch der Vater, der als Riese aus dem Krieg zurückkehrt. Hauptsächlich werden hier drei Geschichten erzählt, die von Katze, einer jungen Schauspielerin mit georgischen Wurzeln, vom General, einem reichen Oligarchen und von der Krähe, einem Journalisten, der von seiner Besessenheit nicht loskommt. Aber am meisten sprühen gar nicht immer diese Figuren, sondern eben die Nebenfiguren, die die auf zwei Seiten gezeichnet werden und die einem dann in der Folge kaum mehr loslassen.

Der dritte Punkt, der der das Fass vollends zum Überlaufen gebracht hat und die fünf Sterne mehr als verdient macht, war die Geschichte selbst. Es geht um Schuld, Sühne, Krieg, Liebe. All diesen grossen Themen ist auch die Länge des Buches geschuldet.

Eine absolute Leseempfehlung meinerseits. Das ist ein grossartiges Buch. Ich schreibe diese Worte zwar noch im manischen Zustand nach zu wenig Schlaf, denn dieses Buch lässt sich kaum mehr aus der Hand legen, aber auch im Normalzustand wird meine Begeisterung anhalten. Ein riesiger Wurf.

Die Katze und der General auf der Seite des Verlages