Mein Leben als Tennisroman von Andreas Merkel

Nick Lüthi

Ach, der Tennisroman. Gelesen im Flugzeug, das hat irgendwie gut gepasst. Etwas wirr, etwas blödsinnig, aber ziemlich unterhaltsam. Arthur Wilkow, Hauptfigur des Romans, befindet sich gerade dabei, einen autobiografischen Tennisroman zu verfassen und fungiert als Ich-Erzähler. So kommt es dann, dass Arthur einen Tennisroman schreibt im Roman und gleichzeitig Hauptfigur des vorliegenden Tennisromans ist. Und so fängt es mit dem doppelten Boden an.

Handlungstechnisch passiert nicht viel, Wilkow reist umher, schreibt an seinem Tennisroman, trifft sich mit seinem Protagonisten Lenz, den er sowohl in echt wie auch im von ihm geschriebenen Tennisroman mehr fantasiert als tatsächlich antrifft. Ach ja, die Lektorin trifft er auch noch ab und an. Ab und an streit mit der Partnerin E. Und damit hats sich. Die Fertigstellung des Romans dient als roter Faden der Geschichte, genauso wie der Roman fertiggestellt wird, ist am Ende auch der Leser fertig.

Durchzogen von Metaspielen (meist auf mehreren Ebenen) unterhält der Tennisroman durchaus. So notierte ich mir schon nach den ersten Seiten hier liege “wirrer Quatsch” vor und dies im besten Sinne des Wortes, wirr im Sinne des Verwirrenden, nicht sofort zu Erschliessendem und Quatsch im Sinne von Blödsinn, der durchaus positiv aufgeladen ist. Und ja, manchmal hat mich der Roman durchaus etwas ratlos zurückgelassen.

Zusammenfassend lässt sich dies so ausdrücken: Wer grossen Wert auf Handlung legt, wird sie hier nicht vorfinden. Wer grossen Wert auf Klarheit und Eindeutigkeit legt, wird hier ebenso enttäuscht. Aber, wer gerne auf Metaebenen versumpft, wer wirre und leicht durchgeknallte Protagonisten mag, der sollte einen Blick riskieren. Mein Leben als Tennisroman ist ein unterhaltsamer Roman, der sich oft etwas in Metaspielereien und Verkopftheit auflöst, der aber trotzdem irgendwie Spass macht. Wie dem Leser der Kopf schwirrt bei der Lektüre, so schwirrt er jetzt auch dem Rezensenten. Irgendwie gut, irgendwie spassig, irgendwie auch nicht.

Website des Verlags zum Buch


Andreas Merkel: Mein Leben als Tennisroman, erhältlich als Hardcover und E-book, 304 Seiten, Aufbau.





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