Auch Götter haben Gärten von Monika Schnyder.

In ihrem Gedichtband Auch Götter haben Gärten erzählt Monika Schnyder von Göttern und ihren weitreichenden Gärten aber auch von den menschlichen Ebenbildern dieser Götter. 48 Gedichte sind hier versammelt, gegliedert in sechs Teile. Im ersten Teil werden die Gärten der Götter noch vorsichtig angerichtet, es werden Bollen gepflanzt in “tropischen farn- und schachtelhalmwäldern[n]”. Im zweiten werden die Gärten dann mit Tieren bevölkert, damit sich ab dem dritten Teil die Götter langsam erheben und Überhand gewinnen können. Geschlossen wird der Band im sechsten Teil dann fernab der Götter mit einem Blick Richtung Firmament, mit einem Wolkenzyklus (Cumulus – Stratus – Cirrus).

Schnyder arbeitet in ihren Gedichten gerne mit Assoziationsketten, die meist als feste Abfolge beginnen und sich dann zu wilden Verwicklungen entwickeln können. Diese Ketten kreieren starke Atmosphären und stellen die bezeichnete Situation in ihrer atmosphärischen Breite dar, ohne aber ihren Untersuchungsgegenstand vollständig preiszugeben. Damit bleibt viel gedankliche Arbeit bei der Leser*in hängen, verweigern doch die Ketten die eindeutige Aussage, umreissen die Situation und geben ein vages Gefühl der vorherrschenden Götter und ihren Gärten.

Die Wirkmacht von Schnyders Poetik funktioniert meist durch das eben angesprochene Assoziative und die dadurch geschaffene Atmosphäre. Immer wieder finden sich aber auch Gedichte die geradezu nach Vertonung schreien, wo die poetische Wirkmacht weniger im Assoziativen und Angedeuteten als in der gutturalen Qualität der Laute liegt (“erbsen- hafer- roggenbär\ roggen- hafer- erbsenbär). Stellenweise werden diese beiden Wirkformen auch vermischt, so geschehen beispielsweise im ersten Teil des Gedichtes PLOP! DER HIMMEL TROPFT:

darin sitzen die nixen
nereiden sirenen undinen
melusinen
in ihren triefenden pelerinen
und essen marzipan
Monika Schnyder: Auch Götter haben Gärten, S. 64.

Drei Endreime (Undinen, melusinen, pelerinen) treffen hier auf eine Brechung in der letzten Zeile (marzipan). Diese Brechung funktioniert natürlich hauptsächlich in gesprochener Sprache, wie auch die Endreime Elemente gesprochener Sprache sind. Gleichzeitig ist das aber auch eine Assoziationskette die mit nixen beginnt und bei melusinen endet. Damit beide vorherrschenden Stilmittel von Monika Schnyders Poetik vereint.

Schwerpunkt des Bandes bildet dann der vierte und längste Teil, wo die Götter in ihrer ganzen Grösse besungen und bestaunt werden. Die besungenen Götter stammen ausschliesslich aus der ägyptischen Mythologie, Chnum, Bas, Bastet, Thoeris, Hatschepsut und Sobek bilden das Personal dieses Teils.

ich steige hinab in die
barke. ANUBIS hat mich mit
binden gewickelt. das auge des
HORUS ist mein schutz, ich kaue
natron und weihrauch, ein wahres
heilmittel, millionenfach erprobt.
ich habe mich den sonnenaffen
zugesellt und bin einer von ihnen.
ich fliege auf, und ich schwebe
wieder zur erde. seid gegrüßt, ihr
götter! möget ihr mir brot & bier,
nahrung und verklärtheit geben.
Monika Schnyder: Auch Götter haben Gärten, S. 53.

In manchmal wilden Assoziationsketten schaffen Monika Schnyders Gedichte vor allem eines: Atmosphäre. In diesen atmosphärischen Betrachtungen verstecken sich immer wieder auch Sprachspielereien und Elemente gesprochener Sprache. Den Göttern der ägyptischen Mythologie wird dabei ein weitreichender Garten gebaut, den es zu erkunden und erforschen gilt.

Auch Götter haben Gärten von Monika Schnyder.

Monika Schnyder: Auch Götter haben Gärten.

DIE REIHE Band 55.

96 Seiten.

Wolfbach.

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