Auf in den Heldentod! von Shigeru Mizuki

Übersetzt aus dem Japanischen von Jens Ossa

Nick Lüthi

Auf in den Heldentod! von Shigeru Mizuki.

Ende 1943. Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange. Ein Teil der japanischen Truppen befindet sich auf Inseln im Südpazifik und hält strategisch wichtige Stellungen. Zu diesen Truppen gehört auch Soldat Maruyama, dessen Kompanie auf Neubritannien stationiert ist, einer der schlimmsten Flecken auf denen man im Zweiten Weltkrieg landen konnte. Aus den Augen Maruyamas werden in diesem Manga die kleinen und grossen Geschichten dieses Krieges erzählt. Von den täglichen Machtspielereien der Offiziere über die Gefahren des Dschungels zu den Kämpfen mit den alliierten Truppen.

Shigeru Mizuki war selbst als Soldat auf Neubritannien stationiert und hat in Auf in den Heldentod! seine eigenen Erlebnisse verarbeitet. Maruyama fungiert dabei als sein Alter Ego und wie Mizuki betont hat, sind 90 % der erzählten Dinge tatsächlich so geschehen. Wie es der Titel bereits andeutet, herrschte in der japanischen Armee eine starke Ehrenkultur, die unter anderem auch bedeutete, dass es stellenweise wichtiger war, den Kopf zu wahren als Menschenleben zu bewahren. Maruyamas Truppen werden mit einer solchen ehrerhaltenden Massnahme konfrontiert, dem Heldentod, in den sie sich alle stürzen sollen. Mit einem genauen Auge für das Zwischenmenschliche erzählt Mizuki von den Schrecken des Krieges und zeigt dabei auf, wie vielfältig diese Schrecken sein können.

Shigeru Mizukis Antikriegsmanga ist ein aussergewöhnliches Werk, dessen Verortung heraussticht. Einerseits nimmt es eine Sonderstellung innerhalb der eigenen Gattung ein, andererseits auch im Werk von Shigeru Mizuki. Im Vorwort betont Frederik L. Schodt genau diese Verortung, macht sie doch den Stellenwert von Auf in den Heldentod unweigerlich klar: Dies ist ein ausserordentliches und bemerkenswertes Werk. Shigeru Mizuki ist eigentlich für seine Erzählungen über die Monster des japanischen Volksglaubens, die Yôkai, bekannt, nicht für seine Kriegserzählungen. Mangas wiederum, sind eher als Unterhaltungsliteratur für leichtere Themen bekannt, nicht für die Aufarbeitung der eigenen Kriegsvergangenheit. Alleine aufgrund dessen sticht dieser Comic also heraus. Des weiteren aber auch durch die zeichnerischen und erzählerischen Fähigkeiten von Mizuki.

Auf in den Heldentod! von Shigeru Mizuki.

Auf in den Heldentod! lebt vom gleichen Kontrast, wie es auch ein Film wie The Thin Red Line von Terrence Malick tut: Da sind diese paradiesischen Inseln, mit reicher und einzigartiger Flora und Fauna und zugleich tobt der fürchterlichste Krieg der Menschheitsgeschichte auf und neben ihnen. Während es bei Malick die Musik ist, die diesen Kontrast besonders betont, sind es bei Mizuki die seinem Stil eigenen Elemente. Sehr detailliert gezeichnete Hintergründe treffen auf cartoonige Figuren, deren Züge in wenigen Strichen dargestellt werden.

In dieser kontrastreichen Bildsprache treten die Widersprüche ganz besonders in Erscheinung. Schönheit trifft auf Verwüstung. Ehre auf Leben. Mensch auf Mensch. Liebe auf Gleichgültigkeit. Wer die Bildsprache zynisch lesen will (auch wenn das eine falsche Lesart ist, da sie in anderen Werken Mizukis genauso vorkommt) müsste festhalten, dass der Hintergrund mehr Wert ist, als die Menschen die sich vor ihm bewegen. Und für einen Krieg wie diesen mag das sogar stimmen.

Shigeru Mizuki hat mit Auf in den Heldentod! ein äusserst beeindruckendes Antikriegswerk geschaffen, das nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Im für Mangas aussergewöhnlich grossen Format entfaltet sich seine facettenreiche Bildsprache, die über Leben, Tod, Ehre und Überleben auf wunderschönen Inseln erzählt.

Auf in den Heldentod! von Shigeru Mizuki.

Shigeru Mizuki: Auf in den Heldentod!

Aus dem Japanischen von Jens Ossa.

Lettering von Michael Möller.

Mit einer Einführung von Frederik L. Schodt.

Mit einem Nachwort von Noriyuki Adachi.

384 Seiten.

Reprodukt.

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