Grobiane in Pastellfarben ─ Identikid von Moa Romanova

Übersetzt aus dem Schwedischen von Katharina Erben

Nick Lüthi

Grob umrissen ist sie, die Welt dieser Graphic Novel, in der ein junger Mensch seinen Platz sucht. Moa Romanova illustriert die Sinnsuche in dieser groben Welt in ausgeleierten Farben und mit staksigen Menschen.

Grobiane in Pastellfarben ─  Identikid von Moa Romanova

Eine junge Frau Mitte zwanzig sitzt nur mit Slip bekleidet in ihrer abgerotzten Wohnung und wischt sich durch eine Dating-App. Es ist zwar kein Traumprinz unter den Matches, aber immerhin “Fernsehpromi, 53”. Bald ist ein erstes Date verabredet, man trifft sich, mag sich und die ungezwungenen Dinge nehmen ihren komplizierten Lauf. Dazwischen trifft sich Hauptfigur Moa mit ihrer besten Freundin, reist zu ihren Eltern oder trifft ihre Psychiaterin. Denn eingenebelt wird Moas Leben von einer kürzlich erlittenen Psychose, deren lange Arme ihr Leben immer noch in einen dunklen Schatten tauchen.

Identikid von Moa Romanova.

Dass der Name der Autorin und derjenige der Hauptfigur gleich lauten, ist kein Zufall. Der Band ist ganz klar ein autobiografisches Werk. Zeichnerin und Autorin Moa Romanova erzählt diese autobiografische Geschichte genau so, wie sich Moas Leben anfühlt: ungestüm und im wilden Wechsel. Mal ist die Vorfreude auf eine Party oder auf ein Date riesengross, mal ist schon der Gang zur Wohnungstüre hinaus zu viel verlangt.

Romanova erzählt das feinfühlig, leicht, lebensnah. Damit gelingt ihr das Porträt über eine Generation, die auch Mitte zwanzig noch keinen Plan, keinen sicheren Tritt im Leben gefunden hat. Weil sie nicht müssen oder nicht können. Bei Moa ist es eindeutig letzteres, es geht schlichtweg nicht. Ihre Psyche steht im Weg. Identikid zeigt eine junge Frau in all ihrer Verletzlichkeit, an ihren Abgründen aber auch an ihren Höhepunkten. Es ist und war nie leicht, sich selbst zu finden. Ganz besonders für eine Generation nicht, die immer wieder gesagt bekommt, dass sie alles sein können, so sie denn nur wollten.

Romanovas Menschen sind seltsam entstellt. Breitschultrig mit langen Hälsen und verzogenen Gesichtern auf viel zu kleinen Köpfen. Klobig und grob stapfen sie durch diese Welt und bilden damit auch visuell ab, wie ungestüm und wie grobschlächtig sie sich manchmal in diesem Leben verhalten. Die pastellene Farbpalette zeigt sich nur spärlich und selten grossflächig, oft sind es Schwarz-Weiss Töne die dominieren, und durch einzelne Farbtupfer aufgeweicht werden.

Der sehr sprechende schwedische Titel Alltid fucka upp fängt noch viel direkter ein, worum es im Band geht. Sich selbst zu finden, wenn man glaubt, eigentlich nirgends zu genügen. Der bereits zu Beginn abgestempelte Fuck-up. Man kann nur hoffen, dass dieser spannende Comic auch ein wenig kathartische Wirkung haben mag.

Identikid von Moa Romanova

Moa Romanova: Identikid.

Aus dem Schwedischen von Katharina Erben.

Originalveröffentlichung 2018.

184 Seiten.

Avant.

Website zum Buch

Zum Buch: Broschur · Klebebindung

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