Flugfedern von Simone Regina Adams

Nick Lüthi

Flugfedern von Simone Regina Adams

Mir wurde vom Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Aus dem deutschen Verlag Klöpfer & Meyer heute etwas Besonderes: Eine Novelle. Man findet sie ja nicht mehr häufig, diese im deutschsprachigen Raum schon fast ausgestorbene Gattung, umso schöner, taucht hier mal wieder eine auf. Der Verlag Klöpfer & Meyer steht momentan vor schwierigen Zeiten, ein Frühjahresprogramm 2019 wird es nicht geben und ob im Herbst 2019 dann wieder Neuerscheinungen auftauchten, ist momentan noch unklar. Bleiben tut also jetzt vorerst das Herbstprogramm 2018 und damit einhergehend, Flugfedern von Simone Regina Adams.

In Flugfedern wird die Geschichte einer Schicksalsgemeinschaft erzählt, Thibaut und Sophie. Unter schlimmen Umständen werden die beiden zusammengeworfen, auf dem Heimweg von einem Sommerfest wird Thibaut Zeuge einer Vergewaltigung, der von Sophie. Er vertreibt den Täter und nimmt sich Sophie an, sie will weder zur Polizei noch nach Hause und findet so Unterschlupf bei Thibaut und seiner Grossmutter: Viel härter als hier können zwei Menschen nicht zusammengeworfen werden.

Trotz dieser harten Zusammenwerfung, will Thibaut Sophie ein Nest bauen. Dabei bemüht der Erzähler immer wieder das Brutverhalten von Nashornvögeln, bei denen sich das Weibchen die Fledern ausreisst und damit das Nest ausstopft, während das Männchen sie umsorgt und mit Nahrung beliefert. Sind die Eier ausgebrütet, so sind auch die Flugfedern des Weibchens wieder nachgewachsen. Doch dieses Nest, welches er ihr errichten möchte, hält nicht. Schon nach wenigen Tagen entgleitet ihm Sophie und für den Rest ihrer Beziehung, wird er sie nie mehr ganz zu fassen bekommen.

Die ganze Novelle ist extrem verdichtet, ursprünglich war Flugfedern ein Roman, der nun zur Novelle umgeschrieben wurde. Diese Verdichtung steht dem Text ausgezeichnet. In kleinen Episoden tauchen wir immer wieder in Thibauts Erlebniswelt ein, werden Zeuge seiner Gedanken, seines Lebens und seiner Beziehung zu Sophie. Flugfedern hat mir sehr gut gefallen, gerade weil so dicht erzählt wird, ich wüsste nicht wo hier Worte oder Sätze gespart werden könnten. Ausserdem gefiel mir, dass der Roman extrem zart mit seinen Figuren umgeht. Ich mag Bücher die zart und sanft erzählen extrem gerne.

Das spannende ist auch das zugrundeliegende Leitmotiv der Erzählung, dasjenige der Nashornvögel und deren Federn. Manchmal beim Lesen dachte ich, nun ja, das ist jetzt doch etwas arg strapaziert und zu sehr vorschlaggehämmert. Bis ich gemerkt habe, dass ich mit der falschen Perspektive daran herangetreten bin. Es geht nicht um Thibaut, der ein Beschützer sein will, es geht um Sophie, die sich nicht beschützen lassen will und dies auch nicht braucht. Thibaut als Vertreter eines arg antiquierten Rollenbildes als männlicher Ernährer und Beschützer kämpft hier auf verlorenem Posten. Und das ist gut so.

Flugfedern hat mir sehr gut gefallen. Kein Satz ist zu viel und der ganze Text ist stark verdichtet und funktioniert wahnsinnig gut dadurch. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Flugfedern eine traurige oder eine hoffnungsvolle Geschichte ist, beide möchten miteinander, aber in dieser Schicksalsgemeinschaft geht es irgendwie einfach nicht. Ob das nun traurig oder hoffnungsvoll ist, entscheidet man am Besten selbst beim Lesen.

Website des Verlags zum Buch und Leseprobe.


Flugfedern von Simone Regina Adams

Simone Regina Adams: Flugfedern.

erhältlich als Hardcover und E-book.

160 Seiten.

Klöpfer & Meyer.



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